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gerettet.

    Grothendieck sagt (vgl. das Zitat in Kapitel 3), dass seine Mutter zwei Jahre in Brens verbrachte (was jedoch etwas hoch gegriffen erscheint). Es gibt einige (nicht absolut) sichere Hinweise, dass Hanka nach Brens noch in das Lager von Gurs bei Pau kam, obwohl Brens erst nach Ende des Krieges aufgelöst wurde. Gründe, Daten und nähere Umstände dieses erneuten Ortswechsels sind ebenfalls nicht bekannt. Angeblich wurde ihr von der Lagerleitung (in Brens oder in Gurs?) mehrfach die Entlassung angeboten unter der Bedingung, dass sie nach Deutschland zurückkehre, was sie jedoch ablehnte 45. In diesem Zusammenhang muss man feststellen, dass Hanka als Nicht-Jüdin in Deutschland kaum besonderer Gefahr ausgesetzt gewesen wäre. Sie hatte zwar anarchistischen Kreisen nahe gestanden und am spanischen Bürgerkrieg teilgenommen, sich aber nicht besonders exponiert. Wenn sie sich unauffällig verhalten hätte, hätte sie sicher in Deutschland überleben können und ein sehr viel besseres Leben gehabt als in den französischen Lagern. Es spricht alles dafür, dass sie aus wirklich überzeugter Ablehnung des Nazi-Regimes nicht nach Deutschland zurück kehrte. Endgültig entlassen wird sie im Januar 1944; sie sagt selbst in EF „an einem Wintertag“. Dies passt gut zu der Tatsache, dass Gurs sich bis Ende 1943 fast vollständig entleert hatte.

    Auch über Gurs findet man leicht eine Fülle von Informationen, dokumentarische Zusammenstellungen und Augenzeugenberichte – zum Teil in Romanform – ebenso wie Sammlungen von Zeichnungen und Fotografien. Wir zitieren aus dem Ausstellungskatalog „Gurs. Ein Internierungslager in Südfrankreich 1939 – 1943. Sammlung Elsbeth Kasser“ 46:

Im Frühjahr 1939 errichtete die französische Regierung mehrere Barackenlager entlang der spanischen Grenze, um darin Tausende von Flüchtlingen aus dem spanischen Bürgerkrieg zu internieren. Unter diesen Lagern am Fuss der Pyrenäen war Gurs das grösste und konnte 20000 Menschen aufnehmen. Während des Krieges und der Besetzung Frankreichs wurde Gurs zeitweise Aufenthaltsort allerdings ganz anderer Flüchtlinge und „Unerwünschter“.

    Die ersten Internierten waren spanische republikanische Soldaten und antifaschistische Zivile, dazu kam eine ebenso grosse Zahl von über 6000 Freiwilligen der Internationalen Brigaden, die auf Seiten der Republikaner gekämpft hatten. Diese Freiwilligen kamen aus allen Teilen Europas, eine gemischte Gesellschaft überwiegend sozialistischer oder kommunistischer Herkunft. ...

    Im Mai 1940 überfielen die Deutschen Holland, Belgien, Luxemburg und das nordöstliche Frankreich. Viele Menschen – Juden, Antifaschisten, oppositionelle

45  

46  Die Schweizerin Elsbeth Kasser wirkte als freiwillige von der Hilfsorganisation Secours Suisse entsandte Krankenschwester in dem Lager. Sie bestand darauf, dort auch zu leben.

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