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Reconciliation), er arbeitete in den Gewerkschaften der Vorstädte, und er lernte seinen lebenslangen Freund, Kollegen und Mitstreiter Édouard Theis kennen. Er erhielt ein Stipendium und beschloss, einige Zeit (1925/26) in New York zu studieren. Ihn interessierte die optimistische, praktische Religiosität der Amerikaner, die sich nicht den Kopf über die Natur Gottes oder seines Sohnes zerbrachen, sondern zu praktischer Nächstenliebe aufriefen. Andererseits vermisste er dort jedoch die gläubige persönliche Beziehung zu Gott, die zu seiner eigenen Religiosität gehörte. Er erhielt eine Hauslehrerstelle bei keinem Geringeren als John D. Rockefeller, damals schon ein hinfälliger Greis, der dennoch versuchte ihm die Grundüberzeugungen des Kapitalismus klar zu machen.

    In New York traf er auch Magda Grilli (mit italienischen und russischen Vorfahren), die ein Jahr später seine Frau wurde. Bald nachdem er sie kennen gelernt hatte, kündigte er ihr an (ähnlich wie Pfarrer Heydorn seiner zukünftigen Frau): „Ich werde ein protestantischer Pastor werden, und ich möchte in Armut leben. Ich bin ein Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen, und das kann Gefängnis und alle möglichen Schwierigkeiten bedeuten.“

    Bis 1934 wirkte er als Seelsorger in den hässlichen Industriestädten nahe der belgischen Grenze, in der Gegend, aus der er selbst stammte. Wieder lebte er in der proletarischen Welt der Bergleute und Industriearbeiter mit all ihren sozialen und menschlichen Problemen. Hier wurden auch die vier Kinder der Trocmés geboren.

    Als André Trocmé im September 1934 nach Le Chambon kam, schien der abgelegene Ort eine sterbende Stadt zu sein. Die Maxime der Einwohner lautete: „Neun Monate Winter, drei Monate Schwierigkeiten.“ Die einzige nennenswerte Quelle für ein Einkommen waren die Sommergäste aus den Städten. Trocmé und seine Frau machten sich mit unglaublicher Energie sofort daran, Leben in diese graue trostlose Stadt aus Granit zu bringen. Sie hatten den außerordentlich glücklichen Gedanken, eine freie Schule zu gründen, die zwar zum staatlich anerkannten Baccalaureat und damit zur Zulassung zum Universitätsstudium führen sollte, andererseits aber nicht den Behörden unterstand und von Anfang an den Prinzipien der Gewaltlosigkeit und der Solidarität aller Menschen verpflichtet war. Diese Schule sollte Schüler und Lehrer aus aller Welt nach Le Chambon ziehen, und tatsächlich ist es im Laufe der Jahrzehnte auch so gekommen: eine Vision, die Wirklichkeit wurde.

    1938 wurde das Collège Cévenol gegründet; sie begann mit vierzehn Schülern und vier Lehrern.  Als ersten Leiter und Lehrer holte Trocmé seinen Studienfreund Theis, der in Paris, Madagaskar und im Kamerun unterrichtet hatte. Am Anfang musste alles improvisiert werden, und für den Unterricht in den

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