X hits on this document

542 views

0 shares

0 downloads

0 comments

86 / 88

nicht bekannt. Alexander hat dann seinen Abschluss am Collège Cévenol gemacht, wohl eher 1945 als 1944. Beide müssen sich dann auf irgend eine Weise wieder getroffen haben und in die Nähe von Montpellier, gezogen sein. In dieser Zeit muss Alexander beschlossen haben, Mathematik zu studieren. Auf Grund des folgenden Zitats kann man vermuten, dass er jedenfalls zeitweise als Tagelöhner bei den Bauern arbeitete und so den Lebensunterhalt für sich und seine Mutter verdiente.

    Über die Zeit seines Studiums, also wohl ab Herbst 1945, wissen wir aus verstreuten Bemerkungen in ReS ein wenig mehr. Zunächst schreibt er:

Zwischen 1945 und 1948 lebte ich mit meiner Mutter in einem kleinen Weiler ein Dutzend Kilometer von Montpellier, Maisargues bei Vendargues, irgendwo verloren zwischen den Weinfeldern. (Mein Vater war 1942 in Auschwitz verschwunden.) Wir lebten knauserig von meinem mageren Stipendium als Student. Um zurecht zu kommen, arbeitete ich jedes Jahr bei der Weinlese ... Außerdem hatten wir einen Garten, der, ohne dass wir jemals Arbeit damit hatten, uns mit einem Überfluss an Feigen versorgte, mit Spinat, und sogar (gegen Ende) mit Tomaten, gepflanzt von einem gefälligen Nachbarn in der schönen Umgebung eines Meeres von leuchtendem Mohn. Es war ein schönes Leben – aber manchmal knapp bis zum Äußersten, wenn es darum ging eine Brille zu ersetzen oder ein Paar Schuhe, getragen bis zum Auseinanderfallen. Glücklicherweise war die medizinische Versorgung meiner Mutter, geschwächt und krank als Folge des langen Aufenthalts in den Lagern, umsonst. Ich hätte es niemals geschafft, ein Medikament zu bezahlen ...

Tatsächlich war Hanka Grothendieck – jedenfalls zeitweise – ernsthaft krank und hatte vom Arzt absolute Bettruhe verordnet bekommen. Ihre Tochter Maidi kam, um sie zu pflegen, eine Aufgabe, die danach Alexander zufiel. In einem undatierten Brief (wohl Mai 1948) schreibt Hanka an Dagmar Heydorn:

Das wäre alles ganz schön und gut, aber im Juni hat Schurik ein Examen abzulegen. Und durch meine Krankheit ist er seit 2 Monaten fast gänzlich aus der Arbeit heraus. Im April war Maidi bei uns, um mich zu pflegen und den Haushalt zu machen – damit wir uns das leisten konnten, mußte Sch. beim Bauern als Tagelöhner arbeiten. Leider nur 14 Tage lang, dann kam ein langer Streik – in den Fabriken der Stadt Arbeitslosigkeit – und seit Ende April spielt Schurik nun die Hausfrau + Krankenpfleger. Und er macht es so gut! Es ist wirklich rührend. Und den ganzen Tag singt er dabei. ... Wahrhaftig seine zukünftige Frau wird zu beneiden sein. ...

Es sollen an dieser Stelle die wenigen gesicherten Tatsachen über das Leben Maidis in diesen Jahren zusammengefasst werden.

...

Nach dieser Abschweifung kommen wir zu Alexander und seinem Studium zurück. Dieudonnè schreibt, dass Montpellier eines der „sklerotischsten“ Mathematik-Institute in ganz Frankreich

Document info
Document views542
Page views543
Page last viewedFri Dec 09 17:42:40 UTC 2016
Pages88
Paragraphs551
Words35286

Comments