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gehabt habe, und dies wird auch Alexander bald klar. Er ist weitgehend auf sich selbst angewiesen.

    In ReS, vor allem in dem einleitenden Abschnitt Promenade à travers une oevre  ou L'enfant et la Mère,  schreibt er einige Sätze über sein beginnendes Interesse an der Mathematik. Wie wir schon gehört haben, hatte es ihn auf dem Gymnasium gestört, dass man sklavisch den vorgegebenen Regeln folgen musste und schlechte Zensuren bekam, wenn man davon abwich. Zu Beginn des Universitäts-Studiums stellt er fest:

Was mich in unseren Mathematikbüchern am wenigsten befriedigte, war das vollständige Fehlen einer seriösen Definition der Länge (einer Kurve), des Flächeninhalts (einer Oberfläche) und des Volumens (eines Körpers). Ich nahm mir vor diese Lücken auszufüllen, sobald ich die Ruhe dazu hätte. Ich habe darauf meine ganze Energie zwischen 1945  und 1948 verwandt, während ich Student an der Universität Montpellier war. Die Kurse an der Fakultät waren nicht so gemacht, dass sie mich zufrieden stellten. Ohne dass mir das schon richtig klar war, musste ich den Eindruck haben, dass die Professoren sich darauf beschränkten ihre Bücher zu wiederholen, genau so wie mein erster Mathematik-Lehrer auf dem Gymnasium in Mende.

    Allem Anschein nach, hat Grothendieck sich in Montpellier selbständig mit Integrationstheorie beschäftigt und ist ohne Anleitung im wesentlichen zum Begriff des Lebesgue-Integrales gekommen. Über Einzelheiten äußert er sich nicht; man gewinnt aber den Eindruck, dass er diese Theorie ziemlich vollständig entwickelt hat.

    Auch wenn Grothendieck in Montpellier keine vernünftige Ausbildung in dem von ihm gewählten Fach erhielt, so können andererseits die Erinnerungen an diese Stadt und ihre Universität nicht allzu abschreckend gewesen sein. Nach der „großen Wende“ in seinem Leben, nach seinem Ausscheiden aus der Gemeinschaft der Mathematiker, kehrte er für einige Jahre nach Montpellier zurück und hielt dort Vorlesungen. Dies wäre sicher nicht geschehen, wenn er nur schlechte Erinnerungen an die Zeit dort gehabt hätte. Er erwähnt auch einen seiner Professoren dort, nämlich ...... , mit einem gewissen Wohlwollen.

Aus der Zeit in Maisargues existiert ein interessantes Dokument, nämlich ein 32-seitiger Brief von Alexander an Wilhelm Heydorn vom 29.7.1948. Im Augenblick ist es das älteste Schriftstück von Grothendiecks Hand, das wir kennen, und zugleich das erste Dokument über seine Beschäftigung mit der Mathematik 50. Der Anlass war offenbar folgender: Wilhelm Heydorn – von umfassender humanistischer Bildung – interessierte sich sehr für philosophische Fragen und in diesem Zusammenhang auch für die Stellung der

50  Der Brief befindet sich

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