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Gemeinderat, 18. WP29. April 201059. Sitzung / 17

und 100 Plätze in den Tageszentren zur Verfügung stehen, also doppelt so viele wie bisher, womit auch die Betreuung von 200 Personen, die in der erwähnten Studie als notwendig erachtet wurde, in Wien wirklich gewährleistet ist und damit der Bedarf gedeckt ist, was ich für sehr wichtig halte und was sehr gut ist. (Beifall bei der SPÖ.)

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Die nächste Zusatzfrage wird von GR Lasar gestellt. – Bitte schön.

GR David Lasar (Klub der Wiener Freiheitlichen): Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Frau Stadträtin!

Meine Frage betrifft auch den Karlsplatz, aber nicht ganz Ihren Bereich.

Ich hoffe, dass, wenn die Westpassage jetzt umgebaut wird, auch die Geschäftsleute dort bleiben können und nicht abgesiedelt werden!

Zu meiner Frage: Da jetzt, wie gesagt, die Westpassage umgebaut werden wird und dort natürlich in Zukunft kein Spritzentausch mehr stattfinden wird, frage ich Sie: Wäre es jetzt nicht gleich besser, wenn Sie in diesem Sinne auch Ihr Drogenkonzept für die Zukunft ändern?

Ich sage das heute nicht zum ersten, sondern, wie ich glaube, schon zum hundertsten Mal: Wir haben in Wien zu wenig Therapieplätze. Daher auch meine Frage: Werden Sie darauf achten, dass es in Zukunft weitaus mehr Therapieplätze gibt als derzeit?

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Bitte, Frau Stadträtin!

Amtsf StRin Mag Sonja Wehsely: Herr Kollege Lasar!

In dieser Frage haben wir irgendwie immer eine kognitive Dissonanz. Sie stellen mir oft diese Frage, und ich beantworte sie immer damit, dass Sie sich, wenn Sie Fälle kennen sollten, in denen es ein Problem gibt, an mich wenden sollen. Grundsätzlich haben wir aber eine ausreichende Anzahl an Therapieplätzen in dieser Stadt. Das ist ganz besonders wichtig.

Der inhaltliche Unterschied zwischen uns besteht darin, dass Sie und Ihre Partei der Meinung sind, dass man Menschen dazu zwingen kann, eine Therapie in Anspruch zu nehmen, dass hingegen die Fraktion, der ich angehöre, sowie alle Expertinnen und Experten, die mir bekannt sind, der Meinung sind, dass das keinen Sinn macht.

Tatsache ist, dass wir auch in Zukunft in Wien garantieren werden, dass es ausreichend Therapieangebote gibt.

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Die 5. Zusatzfrage wird von GRin Cammerlander gestellt.

GRin Heidemarie Cammerlander (Grüner Klub im Rathaus): Frau Stadträtin!

Sie haben noch am 16. April dem „Standard“ gegenüber gesagt, dass – ich zitiere – „durch eine Einsparung derselben“ – Spritzen sind gemeint – „nicht der Drogenkonsum verringert, sondern die Infektionsgefahr gesteigert“ werden würde. – Das entspricht den Aussagen aller ExpertInnen sowie der SozialarbeiterInnen von Streetwork. Jetzt wird der

Spritzentausch auf dem Karlsplatz, wo sich die Leute aufhalten, aber eingestellt.

Dazu muss ich Ihnen ehrlich sagen: Ich weiß nicht, mit wem Sie auf dem Karlsplatz reden, wahrscheinlich ab und zu auch mit der Geschäftsführung! Jedenfalls herrscht unwahrscheinlich viel Frustration bei den MitarbeiterInnen ebenso wie bei den Mitgliedern der Polizei, mit denen ich rede.

Es gibt Suchtkranke, die allein am Mittwoch Vormittag, wenn Streetwork Teamarbeit leistet, nicht einmal den Weg bis zum Ganslwirt schaffen. Meistens sind es Kokain-Abhängige, die fünf bis sechsmal am Tag konsumieren, das brauchen und die Spritzen tauschen. Diese Spritzen werden in nächster Zeit wieder im Park liegen, in den WC-Anlagen vielleicht weniger, aber jedenfalls im öffentlichen Raum.

Diese Leute gehen von dort nicht weg, das wissen wir jetzt seit 16 Jahren, und ich habe jetzt auch nicht die Hoffnung, dass sich etwas verändert, wenn man beim gleichen Konzept bleibt. – Daher meine Frage: Was werden Sie tun, dass zumindest die Spritzen nicht im Park herumliegen und wenigstens unsere Kinder nicht dann kommen und sagen, dass sie eine Nadel im Finger haben, was ja immer wieder vorkommt?

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Bitte, Frau Stadträtin!

Amtsf StRin Mag Sonja Wehsely: Frau Gemeinderätin!

Ich habe Ihnen schon zu Ihrer ersten Frage gesagt, dass überhaupt nichts eingestellt wird, sondern wir das Angebot erweitern. Wir erweitern das Angebot im räumlichen Sinn und im personellen Sinn. Es wird zukünftig noch mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Verein Wiener Sozialprojekte geben, die sich um die Drogenkranken, aber auch um deren Umfeld kümmern werden.

An einer Stelle, an der sich eine Großbaustelle befindet, wird niemand stehen können! Man könnte jetzt einerseits sagen, dass es ganz gemein ist, dass dort keiner mehr ist und keiner mehr hinfindet, und nichts tun. Das unterstütze ich nicht. Andererseits können wir uns aber rechtzeitig auf diese Situation einstellen.

Ich weiß, dass Sie mit Menschen sprechen. Ich tue es auch. Dann werden Sie aber sicherlich auch wissen, dass zwei Drittel all jener, die auf dem Karlsplatz Spritzen tauschen, sich nicht auf dem Karlsplatz aufhalten. Daher ist es für diese Zielgruppe vollkommen egal, ob das auf dem Karlsplatz oder anderswo stattfindet, denn das Angebot bleibt ja aufrecht und wandert nur örtlich vom Karlsplatz zum Ganslwirt und das Bistro, das sich auf dem Karlsplatz befindet, wandert ins TaBeNo. Das heißt, es handelt sich einfach nur um eine örtliche Verschiebung, und diejenigen Frauen und Männer, die im TaBeNo betreut werden, werden selbstverständlich im Rahmen der psychosozialen Betreuung dort ihren Spritzentausch vornehmen können.

Dort ist auch Spritzentausch für Menschen aus den Bundesländern möglich. Wie Sie wissen, tauschen sehr viele Menschen auf Grund der schlechten Versorgung

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