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Gemeinderat, 18. WP29. April 201059. Sitzung / 84

- Die Antwort war tatsächlich: Sie soll den Müll eben außerhalb des Hauses entsorgen, sie soll einfach den Mülleimer nehmen, zur nächsten Straßenbahnstation gehen und das dort hineinwerfen. Das sind keine Antworten für eine Pensionistin! Wurscht, ob es sich um eine sehr rüstige, freundliche ältere Dame handelt oder ob sie ein bisschen mehr Schwierigkeiten macht, das ist doch kein Umgang. Die Mieterin fühlt sich gemobbt, das würde ich auch sagen.

Wenn man das alles zusammenrechnet, ich weiß, dann heißt es immer: Einzelfälle! Deswegen muss man immer daran erinnern, dass wir ja hier immer wieder Fälle bringen, nämlich ohnehin alle Fraktionen. Es sind mir zu viele, und da hätte ich einfach gerne einen anderen Umgang.

Ein seriöses Thema, das tatsächlich für steigende Schwierigkeiten sorgt, ist die Delogierung beziehungsweise die Delogierungsprävention. Wir haben im Gemeindebau schon einmal 1 200 Delogierungen im Jahr gehabt, momentan sind es wieder 1 000. Es waren schon einmal unter 700. Es hat wieder zugenommen, schon vor der Krise, und mit der Krise noch verschärft.

Gleichzeitig damit, dass die Delogierungen hinaufgegangen sind, ist die Delogierungsprävention, die unter anderem von der MA 40 erledigt werden soll, ist die Arbeit - nicht von der MA 40, von den Leuten selber, aber das Volumen - schlechter geworden, weil immer mehr andere Tätigkeiten durchgeführt worden sind. Das heißt, wir haben heute steigende Zahlen bei der Delogierung, aber weniger Prävention in dem Bereich. 1 000 Delogierungen im Gemeindebau, und 4 000 sind es insgesamt in Wien: Sie haben einfach ein Viertel der Wohnungen, und Sie haben ein Viertel der Delogierungen.

Da kann man natürlich sagen: Okay, im Gemeindebau wohnen auch Leute, die im Durchschnitt etwas weniger Geld haben. Im Schnitt stimmt das natürlich. Aber Sie haben um keinen Deut weniger Delogierungen als die Privaten! Jede vierte Delogierung gehört Wiener Wohnen, Tendenz steigend. Da muss man sich überlegen, ob diese Delogierungsprävention nicht besser verlaufen soll.

Momentan läuft es so: Bis es die MA 40 hört, hätte es Wiener Wohnen längst gewusst - einmal Miete nicht gezahlt, zweimal nicht. Wenn man diese Delogierungsprävention näher bei Wiener Wohnen ansiedeln würde, dann hätte man einen schnelleren Zugang und könnte die Krux den Leuten früher sagen: Jedes Jahr zahlt ihr einmal die Miete nicht, und dann dauert es wieder. Das erfährt die MA 40 nicht, die kommt erst spät dran, ein bisschen früher als wir, weil wir die Leute meistens erst dann bekommen, wenn es heißt: Morgen kommt der Delogierungswagen. Das ist dann wirklich reichlich spät.

Ich glaube, dass da eine Verkürzung des Weges von Wiener Wohnen zur MA 40 etwas nützen würde, vor allem angesichts der dramatischen Zahlen, die ja tatsächlich steigen. Das möchte ich jetzt gar nicht irgendjemand Einzelnem anlasten, aber die bisherigen

Instrumentarien reichen nicht mehr aus. Damals haben wir uns aufgeregt und gesagt: Es sind 1 200, da sind auch Kinder dabei.

Das würde ich überhaupt nicht nur einmal hinterfragen, sondern ich glaube, dass man ein Kind nicht delogieren kann - fertig, aus! Ich hätte gerne überhaupt keine Delogierungen, aber als Anfang wäre einmal zu sagen: Wieso wird ein Kind delogiert? Den Fall haben wir: eine Frau, die halbtägig arbeiten geht, vier Kinder zu Hause, sie kommt mit dem Geld nicht über die Runden, Wiener Gemeindebau - delogiert!

Wir hatten einen Fall, den sogar viele hier im Haus kennen: Peter Kern, der Regisseur und Schauspieler, der ein Ehrenzeichen im Haus bekommen hat, hat bei dieser Verleihung das Ehrenzeichen genommen und es zwei Kindern gegeben, die in der ersten Reihe gesessen sind. Er hat eine Geschichte dazu erzählt, warum er das macht: Die zwei Kinder wohnen im Gemeindebau, im gleichen wie Peter Kern, er trifft den Vater dieser zwei Kinder im Jänner dieses Jahres auf dem Gang - es ist kalt - mit einer Zange in der Hand und fragt ihn: Was machst du da eigentlich?

Dazu muss man noch erzählen - es ist leider wahr und macht die Geschichte noch viel schlimmer -, die Mutter dieser Kindern ist vorher an Krebs gestorben. Jetzt ist dort der Vater und sagt: Ich gehe mit dieser Zange in den Keller, weil man mir Strom und Gas abgedreht hat. - Da muss man schon hinterfragen, ob das im Gemeindebau tatsächlich auch sein kann, dass dort zwei Kinder, die nicht einmal zehn Jahre alt sind, in einer Wohnung sitzen, der Vater steht auf dem Gang und sagt: Meine Kinder frieren!

Es tut mir leid - und ich weiß schon, dass das Geld nicht auf den Bäumen wächst, und so weiter -, aber das geht nicht: Ein Kind darf auf der ganzen Welt nirgends frieren! Aber im Wiener Gemeindebau, der eine spezielle Funktion hat, geht Wienstrom her und dreht ihnen dort Strom und Gas ab, und die frieren in ihrer Wohnung. Heute ist es ja warm, aber mir wird schlecht bei so einer Geschichte. So etwas müsste man nachgehen, und da muss man sich überlegen, was man alles tun kann. Die Delogierungsprävention, wie sie gehandhabt wird, funktioniert nicht mehr ausreichend, und es sind auch zu wenige Personen, die dort arbeiten dürfen.

Die Arbeiterkammer Wien sagt insgesamt zu den Wohnkosten - da trifft es dann vor allem die Familien, da gibt es eine Studie, die heuer herausgekommen ist -: Jüngere ArbeitnehmerInnenhaushalte sind extrem belastet. Junge Familien - eine repräsentative Studie der Arbeiterkammer - geben 43 Prozent von dem Geld, das sie im Monat insgesamt haben, fürs Wohnen aus. Fast die Hälfte des gesamten Haushaltseinkommens ist weg, sobald mehr als drei Personen in diesem Haushalt wohnen. Damit sind sie doppelt so stark belastet wie alle anderen Gruppen.

Auch hier sehe ich überhaupt keine Lösungen. Am liebsten würde ich nur sagen, die Arbeiterkammer hat ungefähr zehn Vorschläge dafür, was man machen muss. Da sind vermutlich ohnehin die meisten, die diese

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